Autor: Ron Ashkenas

Endlose Präsentationen mit Dutzenden von Folien, Grafiken und Charts, und am Ende ist niemand wirklich schlauer: Manager sollten kurz und klar präsentieren. Diese Strategien helfen Ihnen dabei.

Stellen Sie sich vor: Im nächsten Meeting haben Sie nur 30 Sekunden statt der üblichen 30 Minuten, um Ihre Botschaft an die Zuhörer zu bringen. Wären Sie in der Lage, Ihre Energie zielgenau zu konzentrieren, um Ihren wichtigsten Gedanken zu vermitteln?

Um ehrlich zu sein, würden solche Einschränkungen die meisten von uns aus dem Konzept bringen. Aber die Fähigkeit, eine Idee so zuzuspitzen, dass wir sie schnell und effektiv kommunizieren können, wird immer wichtiger. In den meisten Unternehmen hat sich die Menge an Information vervielfacht. Gleichzeitig ist die Zeit für Analyse und Entscheidungsfindung geschrumpft. Wir können es uns schlicht nicht leisten, uns ewig durch Unmengen von Material zu wühlen und feinsinnige Argumente gegeneinander abzuwägen. Wir müssen so schnell wie möglich zum Kern eines Problems vorstoßen.

Aber diese Konzentration auf den Kern ist nicht einfach. Ich saß einmal in einer langatmigen Präsentation, als der anwesende Topmanager den Vortragenden bat, seine Kernaussage in einem oder zwei Sätzen zusammenzufassen. Der Redner sah so aus wie ein Reh, das in den Scheinwerfer eines Autos blickt. Ohne seine Folien, Charts und Grafiken war er völlig verloren. Diese Requisiten überlagerten seinen gesamten Vortrag: Nach dem Meeting waren sich die Anwesenden einig, dass die Präsentation unklar gewesen war.

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, auf den Punkt zu kommen? An einem Mangel an Vorbildern kann es nicht liegen: Wir werden ständig mit Schlagwörtern und Tweets konfrontiert, die letztlich kurze und konzentrierte Information vermitteln. Aber eine Präsentation in einen Tweet zu verwandeln, bleibt für viele ein Ding der Unmöglichkeit. Aus meiner Sicht gibt es zwei meist unbewußte Ursachen für dieses immer wiederkehrende Muster: Zu viel an Information und ein zu geringes Selbstbewusstsein.

Manager haben es oft mit Problemen zu tun, für die es keine eindeutige Lösung gibt. Das führt dazu, dass wir mehr und mehr Informationen sammeln. Irgendwann naht die Abgabefrist, und wir haben immer noch keine klare Antwort. Das Resultat: Wir präsentieren den Sachverhalt, zeigen Fakten, Grafiken und andere optische Leckerbissen in der Hoffnung, dass irgendjemand schon seine Schlüsse aus all dem ziehen wird.

Aber auch wenn unsere Analyse zu einer klaren Schlussfolgerung führt, fehlt es vielen Managern an Selbstbewusstsein, diese Einschätzung zu formulieren und dahinter zu stehen. Denn was ist, wenn ein Vorgesetzter die Sache anders sieht? Wird die eigene Meinung jemanden verärgern? Wegen solcher Zweifel sichern sich viele von uns ab, vermeiden unangenehme Diskussionen und polstern die Präsentation mit soviel Beiwerk ab, dass die wahre Botschaft kaum noch sichtbar ist.

2. Teil: Was Sie von Twitter und Youtube lernen können

Wie können Sie also besser darin werden, eine klare Botschaft zu vermitteln? Wie können Sie Ihren Mitarbeitern helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln? Fangen Sie mit diesen drei Ratschlägen an:

  1. Wenn Sie eine Präsentation vorbereiten, arbeiten Sie gegenchronologisch: Fangen Sie mit dem Fazit oder der Botschaft an, die Sie vermitteln wollen. Stellen Sie sich dann vor, dass Sie diese Botschaft via Twitter vermitteln müssen, statt auf Folien, Charts, in Dokumenten oder in Diskussionen. Zwingen Sie sich dazu, Ihre wichtigsten Punkte in nicht mehr als 140 Zeichen zu formulieren. Aufbauend auf diesen Kernthesen überlegen Sie, welche anderen Informationen Sie als Ergänzung und zur Unterstützung brauchen.
  2. Üben Sie Ihren Vortrag ohne Präsentations-Folien oder anderes zusätzliches Material – und setzen Sie sich ein Zeitlimit von sechs Minuten. Stellen Sie sich vor, dass Millionen Menschen Ihre Rede auf Youtube sehen. Auf diese Weise (und besonders, wenn Sie einen Freund dazu bringen, Sie tatsächlich bei Ihrer Rede zu filmen) zwingen Sie sich, sich sehr klar darüber zu werden, was Sie sagen wollen und wie Sie überzeugend und mitreißend formulieren.
  3. Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Publikums und stellen Sie sich vor, wie diese Leute auf Ihre Kernbotschaft reagieren werden. Welche Fragen werden sie stellen, und welche Bedenken könnten sie haben? Wie reagieren Sie auf diese Fragen, und wie offen sind Sie selbst für Alternativen? Wenn Sie bereits im Vorfeld über die verschiedenen Szenarien nachdenken, werden Sie selbstbewusst Ihre Position vertreten und auf Reaktionen aus dem Publikum reagieren können.

Es ist nicht leicht, weniger zu sagen und mehr Inhalt zu transportieren. Aber wenn Sie sich diese Fähigkeit aneignen, werden Sie eine größere Wirkung bei Ihrem Publikum und in Ihrem Unternehmen erzielen. Was sind Ihre Vorschläge, um zu lernen, sich kürzer zu fassen? Alle Kommentare und Vorschläge sind willkommen – am besten auf weniger als 140 Zeichen! Diskutieren Sie mit!

Quelle: http://www.harvardbusinessmanager.de/meinungen/artikel/a-835933.html


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